Wie entsteht Fernweh?

Ich weiß nicht wie es bei anderen ist und kann daher nur von meiner eigenen Erfahrung berichten. Und von Gesprächen mit anderen Fernwehsüchtigen und Auswanderern.

Ich wurde nicht geboren und habe das Gefühl gehabt „Ich muss hier weg. Die Ferne ruft.“. Gut, wäre in der DDR eh etwas schwierig geworden. ;-) Obwohl, Zypern wäre ja auch damals irgendwie möglich gewesen.

Wie auch immer. Ich war lange ganz „normal“, wie alle anderen auch. Ich habe einfach mein Leben gelebt und nicht darüber nachgedacht. Es gab ja auch nichts zum nachdenken. Ob man wegziehen sollte oder nicht.

In der Schule lernte man in Geschichte und Geografie ein bisschen etwas über andere Länder und deren Geschichte. Wo sie liegen und was dort mal passiert ist. Naja, zumindest die wichtigsten Länder und Ereignisse. Aber ich habe, ehrlich gesagt,  nicht wirklich viel gelernt. Warum auch, ist doch alles weit weg und schon längst passiert und vorbei.

Dann war die Schule vorbei und die Lehre begann. Auch in unmittelbarer nähe. Also stellte sich höchstens die Frage ob man in eine andere, nahe gelegene Stadt ziehen soll. Um näher an der Arbeitsstelle zu sein. Aber ich habe mich für die halbe Stunde länger beim Arbeitsweg entschieden. Von Fernweh weiterhin keine Spur. Kein Gedanke darüber.

Danach ging es so weiter. Mal kam eine Freundin und ich bin in eine andere Stadt gezogen. Die natürlich nur 10 Km entfernt war. Keine Entfernung. Weiterhin in meinem „Umkreis“. Dann war Schluss und ich bin in meine erste eigene Wohnung gezogen.
Und so ging es in den nächsten Jahren hin und her… aber immer in einem Umkreis von 25 Km.

Urlaubsmäßig lief auch nie viel. Mit der Familie kam ich nie über die Deutsche Landegrenze hinaus. Mit der Schulklasse war ich eine Woche in Italien und eine Woche Tschechei. Und eine Woche Ungarn mit meinen Freunden. Auch nicht sehr viel. Und auch hier war kein Gefühl von „wou, geil… ich muss mal durch die Welt ziehen und mir was anschauen.“.

Wie dann alles genau begann kann ich nicht mehr sagen. Ich denke es waren einige dinge zusammen.
Erst bin ich in die nahe Landeshauptstadt gezogen und habe das erste mal das Großstadtfeeling erlebt. Obwohl die Stadt mit 230.000 Einwohnern nicht so wirklich eine Großstadt ist. Aber für jemand aus einem Dorf mit 4000 Einwohnern ist es schon ein enormer Sprung. Und es hat mir gefallen. Eine Großstadt ist etwas total anderes als ein Dorf. Man hat ganz andere Möglichkeiten und lernt viel mehr neue Leute kennen oder sieht auch viel mehr neue Menschen. Im Dorf sieht man immer – mehr oder weniger – die gleichen Menschen auf der Strasse.

Dann muss ich ganz ehrlich sagen das mich die Medien auch sehr beeinflusst haben in dieser Sache. Klingt vielleicht für einige komisch. Aber wenn Mädchen sich Krankhungern, da darf ich mich ja wohl auch ein bisschen beeinflussen lassen, oder nicht? :-)
Aber ehrlich, es war so. Gerade heute habe ich mal wieder den Film „Schule“ gesehen und dabei ist es mir wieder klar geworden. Dass war einer der Filme die mich am meisten Beeinflusst haben. Besonders die Szene am See und die Szene auf dem Dach, mit Schnubbi und Stone.
Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Zum ersten mal habe ich darüber nachgedacht was „später“ ist. Über das wegziehen und weggehen.

Noch mehr als Filme haben mich jedoch Lieder zum nachdenken gebracht. Hier gibt es so viele das die Liste verdammt lang werden würde. Und es kommen immer wieder neue hinzu. Das letzte war von Unheilig – Geboren um zu Leben.

Irgendwann ergab es sich dann das ich mit 3 Programmierern zusammen ein Projekt verwirklichen wollten. Das Problem war das 2 Programmierer 600 km weit entfernt wohnten. Wir besuchten Sie 2 mal, zwecks Koordination. Beim zweiten Mal fragte man mich dann „Hier ist eine Wohnung nebenan frei. Hast du nicht Lust herzuziehen?“… und ich habe nicht einmal eine halbe Nacht gebraucht um meine Entscheidung zu treffen. Ja, ich hatte Lust drauf. Ich weiß nicht mehr genau warum. In meiner aktuellen Situation war ich festgefahren und so habe ich die Chance gesehen etwas neues Anzufangen und eine neue Umgebung zu erleben und zu entdecken.

Und so zog ich nach Herten in NRW. Mitten im Ruhrpott. Und damit war der endgültige Grundstein für mein Fernweh gelegt. Magdeburg und Herten sind schon 2 verschieden Welten im selben Land. Ich habe noch nie so viele Kopftücher in meinem ganzen Leben gesehen, wie hier am ersten Tag.
Und alles war anders und neu. Es gab so viel zu entdecken. So viel neues. Unbeschreiblich… und ich habe es genossen. Ich habe es geliebt.

Hier habe ich das Fernweh schon irgendwie entwickelt ohne es direkt gemerkt zu haben. Naja, es war ein „internes“ Fernweh. Nur für Deutschland. An das Ausland habe ich noch nicht wirklich gedacht.

Und dann sind 2 Freunde nach Zypern ausgewandert und  ich habe sie ein halbes Jahr später besucht. Das war es dann. *peng* und weg.

In wenigen Tagen hat mich die Insel so überzeugt das auch ich gesagt habe „Hier will ich eine weile Leben“. Sonne, Strand, Palmen, Meer… *gg* Aber besonders das neue, das entdecken, das erleben und genießen. Neue Menschen, neue Kultur. Und es gibt sicher kaum ein Land auf dieser Erde wo mehr Nationen und Kulturen friedlich miteinander zusammen Leben.

Nun bin ich über 2 Jahre hier und jetzt ist es wieder da… das Fernweh. Das Gefühl etwas neues Entdecken und sehen zu wollen.


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